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HEV-Sondersolarpreis 2023: Das 1936 in Neuenburg erstellte EFH wird zum Plusenergiebau

30.11.2023 Stefan Aeschi, dipl. Architekt ETH/SIA, Experte Bau- und Energietechnik HEV Schweiz

Das PEB-EFH in Neuenburg/NE wurde 1936 erstellt und konsumierte vor der energetischen Sanierung 2021 rund 26'900 kWh/a. Dank der notwendigen Sanierung konnte der Gesamtenergiebedarf um 80% auf 5'200 kWh/a reduziert werden. Die Bauherrschaft peilte eine effiziente und dennoch ästhetisch ansprechende Solaranlage an. Das Dach mit den vier nicht rechteckigen Dachflächen stellte dabei eine besondere Herausforderung dar.

Schlussendlich kam eine Lösung zum Zuge, welche auf einem Rahmensystem basiert, welches erlaubt die Solarpaneelen versetzt anzubringen, was die installierte Leistung maximiert. Die vorbildlich ganzflächig integrierte und nach allen Himmelsrichtungen orientierte 17.5kWp-PV-Anlage erzeugt 16'700 kWh/a. Sie erreicht damit eine Eigenenergieversorgung von 321%.

Die Zusammenarbeit mit den Firmen, welche die Solaranlage und die Wärmepumpe installierten, wurde als professionell empfunden. Allerdings musste die Bauherrschaft feststellen, dass es noch immer schwierig ist kompetente Planer und Installateure für Kleinanlagen zu identifizieren. Der Einsatz einer Pelletheizung stand bei der Sanierung zur Debatte, wurde aber wegen Platzmangel für das Pellet-Lager verworfen.

Der Solarstromüberschuss und der daraus resultierende finanzielle Ertrag ist bei den aktuellen Tarifen eher gering. Dennoch hilft er der Bauherrschaft die Anlage schneller zu amortisieren. Das Projekt wurde von der Gemeinde Neuenburg finanziell unterstützt und die gelungene Realisierung anerkannt.

Für diese energetisch und ästhetisch vorbildliche Sanierung erhält das Einfamilienhaus den HEV-Sondersolarpreis 2023.

Solare PlusEnergieBauten sind Ausdruck des energieoptimierten, klimabewussten Bauens

Das Schweizer Volk hat am 18. Juni das Klima- und Innovationsgesetz angenommen und damit klar zum Ausdruck gebracht, dass der Klimaschutz zu Recht einen hohen Stellenwert in unserem Denken und Handeln hat. Der Weg bis zum Ziel, den Treibhausgasausstoss bis 2050 netto auf null zu bringen, ist aber noch weit und steinig. Es ist wichtig, die Herausforderung anzunehmen und sich der nötigen Anforderungen mitsamt den damit verbundenen Konsequenzen bewusst zu sein. Noch sind viele Fragen offen, und es muss auf Annahmen und Szenarien gesetzt werden, bevor konkrete Erfahrungswerte vorliegen. Analog der Suche nach einer optimalen Wanderroute müssen auch in der Energiepolitik gewisse Um- und Irrwege bis zur Zielerreichung in Kauf genommen werden. Die eine Lösung mit dem einen Energieträger und der einen Technologie wird es eher nicht geben. Welche Technologien uns in 30 Jahren unterstützen werden, wissen wir schlichtweg noch nicht. Auch wenn der Wunsch nach uneingeschränkter Energieunabhängigkeit durch ausschliesslich erneuerbare Energieträger zurzeit noch Zukunftsmusik ist, sind solare PlusEnergieBauten wichtige Pfeiler des energieoptimierten und klimabewussten Bauens. Sie sind ein Zeichen des Wandels und Ausdruck unseres Zeitgeistes. Neben vielen technischen Errungenschaften, die uns auf dem gemeinsamen Weg in die klimaneutrale Zukunft noch unterstützen werden, wird die Zielerreichung wohl einen kompletten Systemwandel fordern, zu neuen Wertvorstellungen führen und naturnahe Denk- und Handlungsweisen verlangen. Im wahrsten Sinne des Wortes wird die zunehmende Elektrifizierung unserer Gesellschaft spannend bleiben und uns weg von fossilen Energieträgern führen und hoffentlich nicht schleichend in eine neue Abhängigkeit manövrieren – sofern dies nicht bereits geschehen ist.

Verständlich und naheliegend ist, dass mit zunehmender Elektrifizierung auch mehr erneuerbarer Strom zur Verfügung stehen muss. PlusEnergieBauten leisten hierzu im Kleinen einen grossen Beitrag. Dank entsprechender Abkommen mit angrenzenden EU-Ländern wird mittelfristig auch eine ausreichende Menge an Elektrizität produziert werden können. Zentral ist aber auch, dass die Energie zum gewünschten Zeitpunkt und am Ort des jeweiligen Verbrauchers verfügbar ist. Hierzu sind die Speicherfähigkeit elektrischer Energie sowie der Transport über unser Verteilnetz von zentraler Bedeutung. «Bleibt zu hoffen, dass die Bewilligungspraxis diesen Aufbau nicht unnötig verzögert…»

Während Strom bisher zentral produziert und in eine Richtung verteilt wurde, werden künftig intelligente, bidirektionale Verteilnetze notwendig, um die Lasten des bezogenen und eingespeisten Stroms abzufangen und entsprechend der Nachfrage zur Verfügung stellen zu können. Das Netz der Zukunft wird für Swissgrid, unsere nationale Netzgesellschaft, die für den sicheren Betrieb und die Überwachung des Schweizer Übertragungsnetzes verantwortlich ist, eine riesige Herausforderung. Anschlüsse von Solaranlagen mit hoher Leistung erfordern meist auch Verstärkungen und den Ausbau von Leitungen, Unterwerken und Transformatoren. Bleibt zu hoffen, dass die Bewilligungspraxis diesen Ausbau nicht unnötig verzögert, denn intelligente Stromnetze werden unumgänglicher Teil unserer Energiezukunft sein. Wirtschaftlich betrachtet ist ein hoher Eigenverbrauch aus der Eigenstromproduktion vor Ort der Idealfall, auch wenn zurzeit die sommerliche Überproduktion und die Winterstromlücke mangels ökonomischer Speichermöglichkeiten noch nicht optimal auf den Eigenverbrauch abgestimmt sind. PlusEnergieBauten bestechen durch ihr ganzheitliches Gebäudekonzept und sollten nicht einzig an ihrer Stromproduktion gemessen werden. Ein wirtschaftlicher Betrieb hängt wesentlich vom geringen jährlichen Energieverbrauch ab – bei Sanierungen also von der konsequenten Reduktion der Wärmeverluste durch eine thermisch optimierte Gebäudehülle. Der Preisträger des HEV-Sondersolarpreises 2023 erreichte durch eine energetische Sanierung des 1936 erstellten Einfamilienhauses eine Reduktion des Gesamtenergieverbrauchs um 80%. Mit einer Eigenenergieversorgung von 321% leistet das Gebäude einen wichtigen Beitrag zur Energieunabhängigkeit. Die vollintegrierte Dach-PV-Anlage nutzt auf den vier trapezförmigen Dachflächen unauffällig die vorhandene Sonnenenergie aus allen vier Himmelsrichtungen.

Solarpreis 2023

Wärmedämmung
Wand: 20 cm, U-Wert: 0.13 W/m2K
Dach: 22 cm, U-Wert: 0.17 W/m2K
Boden: 10 cm, U-Wert: 0.20 W/m2K
Fenster: 3-fach, U-Wert: 0.69 W/m2K

Energiebedarf 
vor Sanierung: EBF: 136.0 m2, Gesamtenergiebedarf 197.8 kWh/m2a, 100%, 26’900 kWh/a
nach Sanierung: EBF: 163.0 m2, Gesamtenergiebedarf 31.9 kWh/m2a, 19%, 5’200 kWh/a

Energieversorgung
PV-Anlage 103.2 m2, 648.7 kWh/m2a, 17.8 kWp, 16’700 kWh/a